Neue Lautsprecher. Kandidat 1: Canton Reference 5.2

Nach vielen Jahren Beständigkeit, was meine heimische Stereoanlage angeht, habe ich mich entschieden, neue Lautsprecher anzuschaffen. Nachdem ich das Projekt Boxen grob budgetiert hatte, habe ich mich, um etwas Orientierung zu finden, in einschlägigen Foren und Testberichten nach relevanten Lautsprechern umgesehen und mich in das Thema eingelesen.

In die engere Auswahl hat es u.A. auch die Canton Reference 5.2 geschafft. Canton preist die 5.2 mit einem unverbindlichen Verkaufspreis von € 3.000,00 pro Stück an.
Die Reference Serie präsentiert sich in einer hervorragenden Verarbeitungsqualität, die Optik der Lautsprecher begeistert mich, ich durfte die 5.2 in Lack weiß „Piano Finish“ bewundern, die größere 2.2 DC wusste optisch in Kirsche Furnier, ebenfalls „Piano Finish“ zu überzeugen. Soweit muss ich Canton meinen Respekt zollen.


Leider konnte der Klang bei Weitem nicht das halten, was Optik und Qualitätsanmutung versprachen. Gerade wenn man einen Stückpreis von € 3.000 im Hinterkopf hat…
Natürlich muss sich jeder selbst ein Bild davon machen, ich möchte meinen Musikgeschmack, meine Hörgewohnheiten und mein subjektives Empfinden nicht als allgemeingültig erklären.

Mich können die klanglichen Eigenschaften der Reference 5.2 nicht überzeugen, ich würde sogar so weit gehen und sagen nicht mal im Ansatz beeindrucken. Der Bass sicherlich kraftvoll, allerdings veränderte sich mit wechselnder Lautstärke das Klangbild. Die Mitten zeigten die für mich größte Schwäche, sie würde ich als blechern beschreiben. Ein Lautsprecher der nach kurzem Hören unangenehm aufdringlich wird.
Allgemein ist die Abstimmung der Boxen wohl eher für ein sehr jugendliches Publikum gedacht.

Möglicherweise ist die Canton Reference 5.2 ein perfekter Lautsprecher für das heimische Kinoerlebnis, wenn es bei einer wilden Verfolgungsjagd durch eine amerikanische Großstadt so richtig kracht und scheppert. Das vermag ich nicht beurteilen. Zum Musik hören taugt sie für mich nicht.

Als der freundliche Canton-Verkäufer mich schlussendlich fragte, was ich denn nun von den Lautsprechern halte, sagte ich ihm, dass die Reference 5.2 für mein Dafürhalten nie in der 6.000 € Klasse spiele, sondern der Stückpreis wohl eher als Paarpreis angesetzt werden solle. Auch dann wären es sicher nicht meine Lautsprecher aber sie wären etwas konkurrenzfähiger.
Die Antwort des Verkäufers überraschte mich dann doch etwas: Ja, das sehe er genauso. Die 3.000 € seien nur der UVP, den schreibe man natürlich auf das Preisschild. Tatsächlich könne er mir das Paar für den Stückpreis anbieten.

Nun frage ich mich natürlich welche Strategie hinter dieser Preiskalkulation steckt. Vielleicht möchte man dem einen oder anderen Kunden suggerieren ein Super-Schnäppchen machen zu können. Ich kann mir vorstellen, dass das sogar funktioniert.

Wichtig istdoch letztendlich, dass der Käufer glücklich ist, der eine jubelt weil er viel Geld gespart hat, dem anderen treibt es die Tränen in die Augen, weil das Objekt der Begierde unendlich geil klingt.

Hört Euch euren Wunsch-Lautsprecher unbedingt selbst an, um Euch ein eigenes Bild zu machen.

Ich entschied mich, mich nicht weiter mit den Cantons zu beschäftigen. Der Verkäufer entschied sich, mir die Dynaudio Focus 380 360 vorzuspielen.

3 Gedanken zu „Neue Lautsprecher. Kandidat 1: Canton Reference 5.2“

  1. Diesen Eindruck kann ich nicht bestätigen. Ich habe mir den Lautsprecher in einem Elektronikkaufhaus („Hifi“-Zimmer) angehört. Dort machten die Höhen und Mitten eine recht gute Figur, wohingegen der Tiefton und Bassbereich sehr enttäuschte. Ich hatte eigene Musik dabei und Seed habe ich nie so kraftlos gehört, wie auf der Canton Ref 5.2. Das System war an einem Yamaha AS 1000 und Yamaha CDS 1000 angeschlossen. Da ich Canton eigentlich auch als guten Basslautsprecher kenne, wunderte mich dies doch sehr. Mein Erklärung und insbesondere auch Lessons Learned nach vielem Lautsprecher-Gesuche ist relativ klar. Der Raum spielt eine größere Rolle, als die Elektronik und ja sogar der Lautsprecher selbst. Ein hervorragender Lautsprecher kann in einem ungeeigneten Raum wohl einen Pegelunterschied in bestimmten Frequenzen von bis zu 10 db haben und sich damit im ungünstigsten Fall komplett disqualifizieren. Der „Hifi-Raum“ war mehr als unoptimal. direkt hinter meinem Sitz befand sich ein breiter Betonträger, die Klimaanlage hat laut gerauscht und war nicht abstellbar, der Markt selbst war laut, große Glasfront etc etc. Anders kann ich mir nicht erklären, warum meine aktuellen Lautsprecher IQ Ted-4 wesentlich besser klingen, als die Canton Ref 5.2, zumal mein Kennwood DA 9010 zwar ein sehr guter, aber auch nicht besserer Verstärker ist. Es gibt wenig eher keine HiFI Geschäfte, in denen man optimale Bedingungen + die gewünschten Lautsprecher vorfindet. Wie war der Raum in dem Sie die Canton gehört haben? Welche Komponenten haben die dazugehörigen Signale erzeugt?

    1. Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar und Ihre Eindrücke zu den Cantons.
      Der Raum in dem ich mir die Cantons damals angehört habe war aus akustischen Gesichtspunkten – gerade auch hinsichtlich der Vergleichbarkeit mit meinem heimischen Wohnzimmer – mehr als ungeeignet. Hinter mir eine Glasfront, relativ kahle, sehr hohe Wände. Als Zuspieler diente damals ein NAIM HDX, als Verstärker lief ein NAIM Supernait.
      Ihr Kommentar unterstreicht, wie ungemein wichtig es ist, sich die gewünschten Lautsprecher – und auch alle anderen HiFi-Komponenten – selbst anzuhören. Die Kandidaten, die es in die engere Wahl schaffen sollte man möglichst in den eigenen vier Wänden in der eigenen Kette ausführlich testen. Wie Memo schreibt, der Raum spielt eine wichtige Rolle. Nichts schlimmer als einen Traumlautsprecher aus der Vorführung zu kaufen, der zu Hause dann einfach nicht richtig spielen mag.

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